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Koalition peilt Verbesserung bei Organspende an

29.08.2010 14:32

Banges Warten bestimmt für tausende Kranke in Deutschland das Leben.
Doch für viele ist es ein Todesurteil, auf ein Spenderorgan
angewiesen zu sein. Der CDU-Politiker Spahn schlägt vor, den
Spendeausweis in den Führerschein zu integrieren.

   Berlin (dpa) - Die Organspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden
Frank-Walter Steinmeier hat die Debatte über den eklatanten Mangel an
Spenderorganen in Deutschland aufflammen lassen. Die Koalition peilt
Verbesserungen an - und diskutiert auch, den Organspendeausweis in
den Führerschein zu integrieren.

Jeder sollte sich einmal im Leben mit der Frage der Organspende
beschäftigen - etwa während er den Führerschein macht, sagte der
gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, am
Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. «Wir könnten zudem wie in anderen
Ländern einen Organspendeausweis in den Führerschein selbst
integrieren, den trägt fast jeder Deutsche immer bei sich.»

Der Obmann der Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss, Rolf
Koschorrek (CDU), kündigte an, für die Widerspruchsregelung zu
kämpfen. Dies sei «eine Möglichkeit, die Versorgung mit
Spenderorganen hierzulande entscheidend zu verbessern», sagte er der
«Welt am Sonntag». Die Ärzte könnten Hirntoten dann Organe entnehme
n,
wenn die Betroffenen zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. Heute
muss man vorher seine Bereitschaft erklären.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich
skeptisch. Die Bereitschaft zur Organspende dürfe nicht verordnet
werden, sagte Rösler dem Blatt. «Es besteht auch kein direkter
Zusammenhang zwischen der rechtlichen Grundlage und der Zahl der
Spenden.» Auch Spahn betonte, die Widerspruchslösung sei für viele
mit großen Ängsten verbunden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft
und Transplantationsmediziner hingegen befürworten diesen Weg, wie es
ihn in anderen Ländern bereits gibt.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike
Flach, sagte am Sonntag: «Wichtig als erster Schritt ist die
Verbesserung durch Beratung und Aufklärung.» Die Themen
Widerspruchslösung und Überkreuzspende - also ein Organaustausch
mehrerer Beteiligter - müssten FDP und CDU noch besprechen.
«Unabhängig von Parteimeinungen ist das sicherlich eine Diskussion,
die fraktionsübergreifend im Plenum beraten werden muss.»

Rösler setzt auf mehr Intensivstationen mit Ärzten, die sich mit
den Angehörigen über eine Organspende unterhalten und dies
organisieren. Bereits vor über einem Jahr hatte Röslers Vorgängerin
Ulla Schmidt (SPD) gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft neue
Leitlinien vorgelegt, die solche Transplantations-Beauftragten
vorsehen.

   Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)
warten derzeit rund 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich
kommen neue schwer kranke Patienten mit Nierenschwäche hinzu. Auch
Leber, Herz und Lunge werden dringend benötigt. Zwar stieg die Zahl
der Organspender im vergangenen Jahr leicht auf 1217. Doch sterben
täglich drei Menschen, die ein neues Organ gebraucht hätten. Um Leben
zu retten, würden einer Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung zufolge rund 70 Prozent der Menschen in
Deutschland ihre Organe nach dem Tod spenden. Doch nur 17 Prozent
haben einen Organspenderausweis ausgefüllt.

   Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung:
«Viele Krankenhäuser unternehmen zu wenig, um Transplantationen zu
ermöglichen.» Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als
Organspender zu melden, aber sie tun es nach Auskunft von Fachleuten
im hektischen Klinikalltag zu selten.

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