Koalition uneins über Neuregelung für Organspende
29.08.2010 12:05
Banges Warten bestimmt für tausende Kranke in Deutschland das Leben.
Doch für viele ist es ein Todesurteil, auf ein Spenderorgan
angewiesen zu sein. Die Nierenspende von SPD-Fraktionschef Steinmeier
rückt den viel beklagten Missstand neu in den Fokus.
Berlin (dpa) - Die Organspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden
Frank-Walter Steinmeier hat die Debatte über den eklatanten Mangel an
Spenderorganen in Deutschland aufflammen lassen. Der Obmann der
Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss, Rolf Koschorrek (CDU),
kündigte an, für die Widerspruchsregelung zu kämpfen. Dies sei «ein
e
Möglichkeit, die Versorgung mit Spenderorganen hierzulande
entscheidend zu verbessern», sagte er der «Welt am Sonntag».
Die Ärzte könnten Hirntoten dann Organe entnehmen, wenn die
Betroffenen zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben.
Heute muss man vorher seine Bereitschaft erklären.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt den Vorstoß ab.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Transplantationsmediziner
hingegen befürworten eine Widerspruchsregelung, wie es sie in anderen
Ländern bereits gibt.
Die Bereitschaft zur Organspende dürfe nicht verordnet werden,
sagte Rösler dem Blatt. «Es besteht auch kein direkter Zusammenhang
zwischen der rechtlichen Grundlage und der Zahl der Spenden.» Rösler
setzt dagegen auf mehr Intensivstationen mit Ärzten, die sich mit den
Angehörigen über eine Organspende unterhalten und dies organisieren.
Bereits vor über einem Jahr hatte Röslers Vorgängerin Ulla Schmidt
(SPD) gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft neue Leitlinien
vorgelegt, die solche Transplantations-Beauftragten vorsehen.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)
warten derzeit rund 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich
kommen neue schwer kranke Patienten mit Nierenschwäche hinzu. Auch
Leber, Herz und Lunge werden dringend benötigt. Zwar stieg die Zahl
der Organspender im vergangenen Jahr leicht auf 1217. Doch sterben
täglich drei Menschen, die ein neues Organ gebraucht hätten. Um Leben
zu retten, würden einer Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung zufolge rund 70 Prozent der Menschen in
Deutschland ihre Organe nach dem Tod spenden. Doch nur 17 Prozent
haben einen Organspenderausweis ausgefüllt.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung:
«Viele Krankenhäuser unternehmen zu wenig, um Transplantationen zu
ermöglichen.» Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als
Organspender zu melden, aber sie tun es nach Auskunft von Fachleuten
im hektischen Klinikalltag zu selten. Wer ohne Einstufung als Fall
mit hoher Dringlichkeit auf der Warteliste landet, hat nach
Experteneinschätzung oft geringe Chancen. Bei Nieren sind wegen der
paarweisen Anlage auch Lebendspenden möglich - wie im Fall
Steinmeier.
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