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Missbrauchsvorwürfe bei Wiener Sängerknaben

11.03.2010 18:02

Wien (dpa) - Die Missbrauchsvorwürfe in Österreich erreichen nun
auch die Wiener Sängerknaben: Zwei ehemalige Mitglieder des
weltberühmten Chores erklärten, in den 60er beziehungsweise 80er
Jahren sexuellen Übergriffen und Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein,
berichtet die Zeitung «Der Standard» in ihrer Freitagausgabe.

Eines der Opfer sei ein 33-Jähriger, der heute als Orthopäde und
Chirurg in Berlin arbeitet. Er erzählte von Duschritualen unter
Anwesenheit der «Präfekten» genannten Erzieher. Diese hätten nackte
n
Schülern Tipps gegeben, wie sie sich die Genitalien waschen sollten.
Zudem sei er selbst von einem älteren Schüler als Neunjähriger
während einer US-Tournee zu oralem Sex gezwungen worden, zitiert das
Blatt den Mediziner.

Auch ein 51-Jähriger, der als Psychologe in München tätig ist,
erzählte von Missbrauchsfällen und Gewalt. Ein Kapellmeister soll ihm
im Bus auf einer Deutschlandtournee eine Stunde lang die Hand auf den
Oberschenkel gelegt haben. Bei einer US-Tournee wurde er den Angaben
zufolge Zeuge, wie ein Präfekt einem Schüler, der nicht essen wollte,
den Mund aufriss und Essen hineinstopfte.

Beide Männer erinnern sich an eine «Terror- und Angstatmosphäre»

und an extrem disziplinierende und autoritäre Strukturen. Obwohl alle
von den Missbrauchsfällen gewusst hätten, habe niemand etwas gesagt.
Der 33-Jährige forderte jetzt «Aufklärung und Wiedergutmachung». Di
e
Sängerknaben waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

dpa cf xx n1 ff