Kassen mit Plus - Gesundheitsfonds mit Defizit
10.03.2010 13:50
Berlin (dpa) - Die gesetzlichen Krankenkassen haben das Krisenjahr
2009 mit einem Milliarden-Überschuss abgeschlossen - und stehen damit
besser da als erwartet. Der neu eingeführte Gesundheitsfonds landete
dagegen gleich im ersten Jahr seines Bestehens in den roten Zahlen.
Alle Krankenkassen zusammen konnten einen Überschuss von 1,1
Milliarden Euro verbuchen. Besonders deutlich fiel dieser mit 770
Millionen Euro für den AOK-Verband aus. Als einzige Kassenart
landeten die Ersatzkassen mit knapp 160 Millionen Euro 2009 im
Defizit. Dies geht aus den vom Bundesgesundheitsministerium am
Mittwoch veröffentlichten Finanzergebnissen hervor.
Der Gesundheitsfonds, der den Kassen die Mittel zuweist, verbuchte
ein Minus von 2,5 Milliarden Euro. Dies liegt daran, dass beim Fonds
die krisenbedingten Beitragsmindereinnahmen voll durchschlagen, die
Kassen jedoch ihre Zuweisungen wie geplant erhalten. Insgesamt gaben
die Kassen knapp 171 Milliarden Euro aus, dem standen Einnahmen von
172 Milliarden Euro gegenüber.
Die dem Volumen nach größten Ausgabesteigerungen im System der
Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gab es bei der ambulanten
Behandlung (plus 7,4 Prozent je Versichertem auf 30,6 Milliarden
Euro) und bei den Krankenhäusern (plus 6,6 Prozent auf 56,4
Milliarden Euro). Darin schlagen sich die Zusatzmittel aus der
Honorarreform für die Ärzte sowie die um 3,5 Milliarden Euro
aufgestockten Mittel für die Krankenhäuser nieder. Die
Arzneimittelausgaben erhöhten sich um 5,3 Prozent auf 32,4 Milliarden
Euro. Darin sind etwa 1,7 Milliarden Euro enthalten, die die
Kassenpatienten als Selbstbeteiligung entrichten mussten.
Das Ministerium sieht durch die Entwicklung die Finanzlage der
gesetzlichen Kassen «stabilisiert». Im laufenden Jahr wird für die
GKV - unter Berücksichtigung der Zuschüsse aus Steuermitteln - ein
Defizit von vier Milliarden Euro erwartet. Zu dessen Ausgleich haben
erste Kassen bereits mit der Erhebung von Zusatzbeiträgen begonnen.
Für den GKV-Spitzenverband sind die Zusatzbeiträge «die logische
Konsequenz aus der Konstruktion des Gesundheitsfonds und kein Hinweis
darauf, ob eine einzelne Krankenkasse gut oder schlecht
gewirtschaftet hat». Die Finanzlage in diesem Jahr sei «prekär».
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