Gesetzliche Krankenkassen – Tarifvergleich
Private Krankenversicherung

Nationalparkprogramm als «Geniestreich» der DDR Von Martina Rathke, dpa

10.03.2010 01:30

   Greifswald (dpa) - Fast genau 20 Jahre ist es her, dass der DDR-

Ministerrat unter seinem Vorsitzenden Hans Modrow (SED/PDS) einen
wegweisenden Beschluss fasste: Zwei Tage vor den ersten freien Wahlen
am 18. März 1990 stellte die DDR-Regierung mit ihrer letzten
Verfügung ausgediente Truppenübungsplätze, Grenz- und Staatsjagd-
Gebiete vorläufig unter Naturschutz. In den dramatischen Wendemonaten
hatte eine vom Gedanken des Naturschutzes beseelte Gruppe kühlen Kopf

bewahrt und das «Nationalparkprogramm der DDR als Baustein für ein
europäisches Haus» vorbereitet.

   Treibender Geist war der damalige stellvertretende Umweltminister

Michael Succow. «Wir begriffen, dass wir eine einmalige historische
Chance hatten», erinnert sich der 68-Jährige heute. Am 12. September
schließlich, unmittelbar vor dem offiziellen Ende der DDR, wurde das
Nationalparkprogramm von der ersten und zugleich letzten demokratisch
gewählten DDR-Regierung besiegelt.

Fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate sowie drei
Naturparks und damit 4,5 Prozent ihres Territoriums brachte die
wirtschaftlich ausgelaugte DDR als «Tafelsilber der deutschen
Einheit» - so der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) -
in das wiedervereinte Deutschland ein. 14 Gebiete, darunter die
Kreidefelsen auf Rügen, die Rhön in Thüringen oder der Spreewald,
standen damit langfristig unter Schutz. Im Jahr 1997 wurde Succow für
diesen Geniestreich mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

   Für den Osten Deutschlands galt der Beschluss als Weichenstellun
g:
Ganze Landstriche, einst intensiv genutzte Kulturlandschaften, lagen
brach, eine Bewirtschaftung der meist mageren Böden schien ökonomisch
nicht sinnvoll. Nach Jahren fortschreitender Naturzerstörung durch
eine rücksichtslose Wirtschaftspolitik wuchs auch die Sensibilität
für den Schutz der Umwelt. «Das Bewusstsein für die Verantwortung
gegenüber der Natur ist gestiegen - auch aus dem Erleben heiler
Urnatur, wie wir sie in Australien, den USA oder Afrika finden»,
erklärt Succow eine Folge der Reisefreiheit.

   In Mecklenburg-Vorpommern birgt der Naturschutz zunehmend
Konfliktpotenzial mit Kommunen, Anglern, Jägern, Landwirten oder
Waldbesitzern. Gemeinden wie Userin im Müritz-Nationalpark sehen ihre
wirtschaftliche und touristische Entwicklung gefährdet. Dort will die
Nationalparkverwaltung Teile des Sees für Wind- und Kitesurfen
sperren und den Segelsport deutlich einschränken. Zwischen Jägern und
Naturschützern ist zudem ein Streit um die Bejagung von Rot- und
Damwild in Nationalparks entbrannt.

   Auch Succow, der inzwischen die Idee des Naturschutzes erfolgreich

nach Aserbaidschan, Turkmenistan oder in die Ukraine «exportiert»
hat, musste in seiner Heimat Lehrgeld zahlen. Seine Idee, aus dem
Peenetal - «ein deutschlandweit einzigartiges Flusstalmoor» - einen
Nationalpark mit privatem Träger zu machen, ist gescheitert. Für das
kleine Modell «Naturpark» mit weniger Restriktionen für die
wirtschaftliche Entwicklung laufen aber die Vorbereitungen.

   Succow ist überzeugt, dass Schutzgebiete gerade in industriell
schwachen Regionen ein Jobmotor sind. «Die Großschutzgebiete sind das
Rückgrat des Naturtourismus in MV», sagt er und findet Zustimmung
beim Landestourismusverband. Neben dem maritimen Flair sei es vor
allem die urwüchsige Natur, die Millionen von Gästen ins Land locke
und den Hotels auch 2009 ein Rekordergebnis bescherte, betont
Verbandsgeschäftsführer Bernd Fischer. Die Nationalparke Jasmund auf
Rügen, Müritz und Vorpommersche Boddenlandschaft gehören zu den
beliebtesten Feriengebieten. «Die Menschen wollen genau diese Natur
und keine möblierte Landschaft mit gepflasterten Wegen und
Schutzhütten alle 500 Meter.»

(www.succow-stiftung.de)
[Succow-Stiftung]: Grimmer Str. 88, 17489 Greifswald
dpa mr yymv a3 hu



Krankenkassen-Wechselservice

In diese Kassen online wechseln - schnell, sicher und bequem