Gesetzliche Krankenkassen – Tarifvergleich
Private Krankenversicherung

Top-Gehälter für Kassenchefs und Ärztefunktionäre

09.03.2010 16:52

Berlin (dpa) - Die Chefs der gesetzlichen Krankenversicherung
bleiben Topverdiener trotz der zunehmend angespannten Finanzlage
zahlreicher Kassen. Spitzenreiter im vergangenen Jahr war der Chef
der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen: Sein Grundgehalt
erhöhte sich um 25 000 Euro auf rund 271 000 Euro. Dies geht aus dem

Bundesgesetzblatt hervor, das alljährlich die Einkünfte der
Kassenchefs veröffentlicht. Darüber berichtete die «Bild»-Zeitung
(Dienstag). Ein TK-Sprecher sagte auf Anfrage, das Gehalt Klusens sei
angesichts von 18 Milliarden Euro Beitragseinnahmen «sehr
angemessen». Die Kasse verlange auch keine Zusatzbeiträge.

   Nach den neuen Zahlen erhielt DAK-Chef Herbert Rebscher, dessen
Kasse seit Februar von den Versicherten Zusatzbeiträge von acht Euro
pro Monat erhebt, rund 235 000 Euro, Barmer-Chefin Birgit Fischer
etwa 203 000 Euro. Das waren jeweils rund 4000 Euro mehr als 2008.
Der Chef der AOK Bayern, Helmut Platzer, konnte sich zusätzlich zum
Gehalt von 176 000 Euro über einen Bonus von 50 820 Euro freuen. Das

war mehr als das Grundgehalt von 170 000 Euro plus 20 Prozent
Erfolgsprämie für den Spitzenmann des AOK-Bundesverbandes, Herbert
Reichelt.

   Ärztefunktionäre gehören ebenfalls zu den Topverdienern in d
er
Branche: Andreas Köhler, der Vorstandschef der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung, erhielt 2009 ein Gehalt von 260 000 Euro, sein
Kollege bei der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Jürgen
Fedderwitz, kam auf 240 585 Euro. Gute Altersversorgungen, die sich
an den Pensionen von Spitzenbeamten orientieren, kommen noch hinzu.

Das von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP)
angekündigte Sparkonzept für Medikamente bringt nach Einschätzung des

gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Karl
Lauterbach, «keinen Cent». Die Pharmahersteller ließen sich in den
von Rösler geforderten Verhandlungen lediglich einen vorher
einkalkulierten Preisnachlass «abhandeln» und umgingen damit die
Prüfung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen, sagte Lauterbach dem «Kölner Stadt-Anzeiger»
(Dienstag).

Rösler hofft auf Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro im
Jahr und will sein Konzept in einigen Tagen vorstellen. Die
Gesamtaufwendungen für Medikamente machen mit zuletzt mehr als 30
Milliarden Euro etwa ein Fünftel der Ausgaben der gesetzlichen
Krankenkassen aus.

Der Zusatzbeitrag, den acht gesetzliche Krankenkassen erheben, hat
nach bisherigen Erkenntnissen noch keine massenhafte Wechselbewegung
in andere Kassen ausgelöst. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen
Presse-Agentur dpa am Dienstag. Zwar habe es «vereinzelt Unmut und
vereinzelte Kündigungen» gegeben, doch könne von einem Massenboykott

des Zusatzbeitrags nicht gesprochen werden, hieß es bei der DAK. Sie
hat rund 4,6 Millionen zahlende Mitglieder. DAK-Sprecher Frank
Meiners erklärte, aus der Tatsache, dass bisher erst rund 1,5
Millionen Einzugsermächtigungen vorliegen, «kann nicht der Schluss
gezogen werden, dass es einen Massenboykott gibt».

Seit Anfang Februar haben die ersten Krankenkassen damit begonnen,
einen Zusatzbeitrag von acht Euro im Monat zu erheben. Damit soll das
drohende Defizit gedeckt werden. Betroffene Versicherte können in
diesen Fällen in eine andere Kasse wechseln.
dpa vs yydd z2 as



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