Kassen: Keine Massenflucht wegen Zusatzprämie
09.03.2010 15:51
Berlin (dpa) - Der Zusatzbeitrag, den acht gesetzliche
Krankenversicherungen seit kurzem erheben, hat nach bisherigen
Erkenntnissen noch keine massenhafte Wechselbewegung in andere Kassen
ausgelöst. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa
am Dienstag. Zwar habe es «vereinzelt Unmut und vereinzelte
Kündigungen» gegeben, doch könne von einem Massenboykott des
Zusatzbeitrags nicht gesprochen werden, hieß es bei der DAK, einer
der größten Kassen in Deutschland.
Zuvor hatten die «Lübecker Nachrichten» berichtet, Millionen
Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen verweigerten die Zahlung
des Zusatzbeitrag von acht Euro monatlich. Mit dem Beitrag soll das
drohende Defizit gedeckt werden. Betroffene Versicherte können in
diesen Fällen in eine andere Kasse wechseln.
DAK-Sprecher Frank Meiners erklärte, aus der Tatsache, dass bisher
erst rund 1,5 Millionen Einzugsermächtigungen vorliegen, «kann nicht
der Schluss gezogen werden, dass es einen Massenboykott gibt». Zudem
laufe die Zahlungsfrist erst am 15. März ab. «Wir gehen davon aus,
dass die meisten Kunden ihren Zusatzbeitrag bezahlen werden», betonte
er. Die DAK hat rund 4,6 Millionen zahlende Mitglieder.
Eine Sprecherin der KKH-Allianz sagte: «Wir haben erst in der
vergangenen Woche damit begonnen, unsere 1,5 Millionen Mitglieder
anzuschreiben und über die fälligen Zusatzbeiträge zu informieren.»
Aufgrund der Kürze der Zeit seien noch keine Sonderkündigungen
bekannt. Viele Mitglieder hätten via Internet «bereits die
Einzugsermächtigung für die acht Euro erteilt».
Die BKK Gesundheit in Frankfurt mit nach eigener Aussage 1,4
Millionen Versicherten spricht zwar von Kündigungen, weiß aber erst
Ende März oder Anfang April über die genaue Zahl Bescheid. Ein
Zwischenstand war nicht zu erhalten. Der Zusatzbeitrag gilt zwar ab
Februar, ist aber erst am Ende des Quartals fällig, also Ende März.
Bis dahin können Versicherte noch wechseln.
Ein Sprecher der BKK für Heilberufe in Düsseldorf sagte, konkrete
Zahlen könne er nicht nennen. Das Sonderkündigungsrecht gebe es noch
bis zum 6. April. «Da ist jetzt noch keine abschließende Aussage
möglich.» Über die Zahl der zurückgesandten Einzugsermächtigungen
sei
ebenfalls keine Aussage möglich.
Die Deutsche BKK (Wolfsburg) lehnte eine Auskunft zu
Sonderkündigungen und Einzugsermächtigung ab. Die rund 750 000
Mitglieder der Deutschen BKK müssen ebenfalls seit dem 1. Februar
acht Euro Zusatzbeitrag zahlen.
Bei der BKK Westfalen-Lippe sind seit Einführung der
Zusatzbeiträge 800 Mitglieder ausgetreten. «Das ist noch im Rahmen»,
sagte Vorstand Willi Tomberge in Münster. «Wir gehen davon aus, dass
die Versicherten erkannt haben, dass der Gesundheitsfonds generell
unterfinanziert ist und dass spätestens zum 1.1.2011 alle Kassen
Zusatzbeiträge erheben werden - wenn die Politik nichts ändert.»
Ein Sprecher der BKK advita in Alzey sagte: «Es gab
Sonderkündigungen.» Zahlen könne er aber noch nicht nennen. Die BKK
advita hat nach eigenen Angaben 35 000 Mitglieder.
Auch die Gemeinsame Betriebskrankenkasse (GBK) in Köln will von
Massenflucht nichts wissen. Die Austritte beliefen sich auf «weit
unter zehn Prozent», sagte Vorstand Helmut Wasserfuhr. Die GBK hat
etwa 28 000 Versicherte.
dpa vs yydd z2 ol






























